Salz der Erde und Licht der Welt sein
„13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen? Es taugt zu nichts mehr, außer weggeworfen und von den Leuten zertreten zu werden. 14 Ihr seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berg liegt, kann nicht verborgen bleiben. 15 Man zündet auch nicht eine Leuchte an und stellt sie unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet sie allen im Haus. 16 So soll euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen.“
Die Worte Jesu vom Salz der Erde und Licht der Welt zeugen von großer Wertschätzung für uns Kinder Gottes. „Ihr seid das Salz der Erde“: Salz galt über lange Phasen der Menschheitsgeschichte als Kostbarkeit. Es gab den Speisen ihren Geschmack; es konservierte Lebensmittel und schützte sie so vor dem Verderben. Auf uns übertragen: Wir Christen sollen dem Leben den Geschmack Gottes geben und die Welt vor dem Verderben bewahren.
„Ihr seid das Licht der Welt“: Licht ist nicht zum Verstecken da. Es gibt Orientierung und schenkt buchstäblich Erleuchtung. Es warnt vor Gefahren, indem es Schlechtes wie Gutes sichtbar macht. Wer klar sieht, sieht die Realität und kann sich ihr stellen. Der Hellsichtige vermag die Erde zum Besseren zu gestalten. Wenn wir Gottgläubigen uns nicht verstecken, sondern das Licht in uns ausstrahlen, das Jesus als Frohe Botschaft verkündet hat, dann beginnt im Hier und Jetzt auf Erden schon das Reich Gottes. Wir handeln inspiriert von Jesus, und das führt zu guten Taten, die für andere sichtbar sind (Mt 5,16).
Diese guten Taten haben nichts mit Werkgerechtigkeit zu tun, da sie aus der Liebe Christi selbst strömen, aus dem Glück des Glaubens. Wir lassen unsere Nächsten die frohe Botschaft des Glaubens erfahren. Es geht nicht darum, Punkte für das eigene Seelenheil zu sammeln, sondern um das Kennenlernen der Liebe Gottes, die in Jesus Christus Mensch geworden ist. Es geht um das Wecken eines frohmachenden Glaubens in unseren Mitmenschen. So sollen und können wir zur Veranschaulichung der Frohen Botschaft werden – entgegen der Position von Friedrich Nietzsche, von dem die Aussage stammt: „Traurig klangen mir immer die Lieder ihrer Lehre und ihr Hass gegen die Welt ist mir noch in den Ohren. Erlöster müssten mir seine Jünger aussehen!“ (aus: Also sprach Zarathustra, 2. Teil)
Vielleicht fragen Sie sich: Was genau ist denn die Frohe Botschaft? Einfach gesagt: das Evangelium von Jesus Christus. Lesen Sie die Evangelien im Neuen Testament! Oder – wenn Sie es etwas schneller haben möchten, konzentriert reicht der konkrete Zusammenhang unserer Bibelstelle. Die vorausgegangenen Seligpreisungen (Mt 5,3-12) sind Kern der Haltung und Botschaft Jesu:
Selig, die arm sind vor Gott; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden; denn sie werden getröstet werden.
Selig die Sanftmütigen; denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die rein sind im Herzen; denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.
Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um
meinetwillen. Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel.
Die Seligpreisungen stehen im Widerspruch zu den Werten dieser Welt. Sie zeigen den Weg ins Reich Gottes. Sie veranschaulichen, wie wir Salz und Licht für die Welt sein können.
Das Wort „selig“ ist heute für viele nicht mehr wirklich verständlich. Auch Übersetzungsversuche wie „glücklich“ bleiben unzureichend. Vielleicht lässt sich selig interpretieren als: „Gott ist dir nahe“ oder „Du bist Gott nahe“.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen: Halten Sie sich an die Seligpreisungen; seien Sie Gott nahe – Gott ist es gewiss. Werden Sie so Salz der Erde und Licht der Welt.
Barbara Heitfeld