Bibelwort des Monats – Dezember 2025

Mt 10,34

Glanz und Gewalt

„Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert“.

Die Geschichte Jesu ist eine Geschichte der Gewalt.

Die neutestamentliche Literatur bietet zwei Erzählungen von der Geburt Jesu. Eine davon ist die Kindheitserzählung nach Matthäus.

Die Erzählung stellt den Beginn des Lebens Jesu vor: die besondere Ankündigung einer Schwangerschaft. Sie ist auch deshalb besonders, weil hier himmlische Mächte Eingang finden. Sie begegnen dem Vater Jesu im Traum. Die Namensankündigung ist die Vermittlung: Denn der Traum wird Wirklichkeit und Person in dem neugeborenen Jesus.

Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Josef, der mit Maria verlobt war, war ein anständiger Mann. Er wollte Maria nicht in Schwierigkeiten bringen und plante deshalb, sich still und ohne großes Aufsehen von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm im Traum ein Engel Gottes. Der Engel sagte: „Josef, Nachkomme Davids, hab keine Angst, Maria zu dir zu nehmen. Das Kind, das sie erwartet, kommt vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn bekommen, und du sollst ihn Jesus nennen. Er wird die Menschen von ihren Sünden befreien.“

Damit erfüllte sich, was Gott schon lange vorher durch einen Propheten angekündigt hatte: Eine Jungfrau wird ein Kind bekommen, einen Sohn, der den Namen Immanuel tragen wird, das bedeutet: „Gott ist mit uns“.

Als Josef aufwachte, tat er, was der Engel ihm gesagt hatte, und holte Maria zu sich. Bis zur Geburt ihres Sohnes hatten sie keinen ehelichen Umgang. Und Josef gab dem Kind den Namen Jesus. (Mt 1,19-25)

Die Kindheitsgeschichte geht aber weiter.

Denn kurze Zeit später hat Josef erneut einen Traum. Diesmal wird nicht Jesu Geburt angekündigt, sondern die Gefahr, der er ausgesetzt ist. Herodes, jüdischer Klientelkönig Roms in Jerusalem, fürchtet um seine Stellung. Weise Männer prophezeiten ihm die Geburt eines Konkurrenten: eines Königs.

Josef soll mit seiner Familie nach Ägypten fliehen und auf diese Weise Jesu Leben retten. Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.“ Sagt der Engel zu Josef im Traum (Mt 2,13). Noch in derselben Nacht bricht die Familie auf.

Was für ein Albtraum! Aber es ist Realität. Der Traum ist das Medium; er weist hin auf die brutale Realität der Gefahr, in der sich Jesus befindet. Es folgt eine blutige Serie von Kindsmorden: Als Herodes nach einiger Zeit bemerkt, dass er Jesus nicht auffinden kann, wird er sehr zornig und lässt in Betlehem und der ganzen Umgebung alle kleinen Jungen in dem Alter, in welchem er Jesus vermutet, töten. Alle zweijährigen männlichen Kinder in Betlehem und der Umgebung werden auf sein Geheiß umgebracht.

Gewalt – überall. Und das, obwohl eines der schönsten Dinge passiert ist: Ein Mensch wurde geboren. Und ja, es ist der Messias, der von den Juden als König erwartet wird, worauf diese matthäische Kindheitserzählung selbst hinweist: „Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.“ (Mt 2,6)

Hat sich Jesus diese Gewalt zu eigen gemacht, wenn – wie das Matthäusevangelium später berichtet – Jesus sagt: „Denkt nicht, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen! Ich bin nicht gekommen, um Frieden zu bringen, sondern das Schwert?“ (Mt 10,34)

Jesus ist eine Welt gekommen, die voller Gewalt ist. Immer wieder predigt Jesus Frieden. Seine Vorstellung, die Gewaltspirale zu durchbrechen, indem keine Gegengewalt eingesetzt wird, ist das jesuanische Ethos der Bergpredigt. Die Feindesliebe – ultimativer Auftrag für die Nächstenliebe. Aber auch dieser Anspruch kommt in dem Wort Jesu vor. Denn Jesus ist ein machtvoller König, der Gewalt wirklich besiegen kann – auch durch Waffen. Seine Waffe, die hier beschrieben wird, ist das Schwert. Mit dieser Waffe kämpft er, aber nicht um Unrecht zu zementieren, sondern Gerechtigkeit zu bringen. Er kann mit dem Schwert die Waffen der anderen zerstören, andere entwaffnen. Der Ausspruch ist irritierend, aber mit Blick auf Machtaussagen metaphorisch erklärbar. Damit Ungerechtigkeiten nachhaltig zerstört werden können, müssen die Mittel effektiv sein. Hierzu das Bild einer Waffe zu nutzen ist krass, aber plakativ. Unrecht bliebe Unrecht, wenn es nicht mit allen verfügbaren Mitteln bekämpft würde.

Das Ziel ist Frieden. Es sind drei Sterndeuter aus dem Osten, von denen der jüdische Klientelkönig hört, dass ein neuer König geboren wurde. Sie wähnen das Kind im Palast und reisen dorthin. Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt. 11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.“ (Mt 2,10–11) Diese Könige erkennen die Macht des Königs an; Herodes agiert panisch, weil seine Agenda keine solche göttliche Macht anerkennt.

Während Herodes aus Angst vor Macht- und Kontrollverlust zu brutalen Mitteln greift, bringen die Könige aus dem Osten kostbarste Geschenke, die dem Kind ein Ausdruck ihres Dienstes sind. Der himmlische Stern leitet ihren Weg und leuchtet ihnen in der dunklen Nacht, in der sie das Kind suchen, den Weg. Glanz und Licht bringen die drei Männer zu Jesus; Herodes dagegen bringt Gewalt und Angst und ermordet Kleinkinder.

Weihnachten ist ein Fest für die Familie.

Es sind oft Kinder, die in dieser Zeit im Fokus stehen: sie bekommen Geschenke und freuen sich über Päckchen, Süßigkeiten, die blinkenden Lichter in den Städten und den Fenstern. Ich wünsche allen, dass sie das in einer Umwelt ohne Gewalt genießen können und denke an alle, die dies nicht erleben dürfen.

Jesus zerstört die Waffen derer, die Gewalt und Macht ausüben. Die Metapher des Schwertes ist krass, aber effektiv: Seine Macht ist ernst zu nehmen; sie baut Frieden und Gemeinschaft auf.

Aleksandra Brand