Bibelwort des Monats – September 2026

Mt 18,15-20

Gottes Liebe zu den Sündern

„Wenn dein Bruder gegen dich sündigt, dann geh und weise ihn unter vier Augen zurecht! Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder zurückgewonnen. 16 Hört er aber nicht auf dich, dann nimm einen oder zwei mit dir, damit die ganze Sache durch die Aussage von zwei oder drei Zeugen entschieden werde. 17 Hört er auch auf sie nicht, dann sag es der Gemeinde! Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, dann sei er für dich wie ein Heide oder ein Zöllner. 18 Amen, ich sage euch: Alles, was ihr auf Erden binden werdet, das wird auch im Himmel gebunden sein, und alles, was ihr auf Erden lösen werdet, das wird auch im Himmel gelöst sein. 19 Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. 20 Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Diese Evangelienperikope aus Mt 18 ist verwandt mit dem folgenden Abschnitt aus dem Propheten Ezechiel:

„Menschensohn, ich habe dich dem Haus Israel als Wächter gegeben; wenn du ein Wort aus meinem Mund hörst, musst du sie vor mir warnen. Wenn ich zum Schuldigen sage: Schuldiger, du musst sterben! und wenn du nicht redest, um den Schuldigen vor seinem Weg zu warnen, dann wird dieser Schuldige seiner Sünde wegen sterben; sein Blut aber fordere ich aus deiner Hand zurück. 9 Du aber, wenn du einen Schuldigen vor seinem Weg gewarnt hast, damit er umkehrt, und er sich nicht abkehrt von seinem Weg, dann wird er seiner Sünde wegen sterben; du aber hast dein Leben gerettet.“ (Ez 33,7-9)

Die Bibelstelle handelt von der Verantwortung in der Welt. Ein gottgläubiger Mensch darf nicht in seine private Spiritualität flüchten, in ein Glaubenskonstrukt „Gott und ich“, losgelöst von der Welt. In Ez 33,7-9 ruft Gott auf, Sünder zur Umkehr zu bewegen. Wir werden zum Mund Gottes, wenn wir Mord, Habsucht oder überhaupt Unrecht bekämpfen. Hierbei gilt nicht das Erfolgsprinzip. Wir nehmen unseren Mitmenschen nicht die Eigenverantwortung ab, aber wir sollen sie warnen. Wir sind Hüter unserer Geschwister, allerdings nicht mit Gewalt, sondern indem wir die Würde des anderen achten. Er/sie entscheidet letztlich selbst über die eigene Lebenseinstellung sich und den anderen gegenüber. Aber wenn wir wegschauen, verlieren wir sogar nicht weniger als das eigene Seelenheil. Wenn der andere trotz Warnung nicht umkehrt, ist das nicht mehr unsere Verantwortung. Aus dieser Sicht ist ein Christenleben aber herausfordernd und alles andere als bequem.

Doch in welcher Weise sollen wir auf Missstände aufmerksam machen? Die Perikope aus dem Matthäusevangelium sowie eine Passage im Römerbrief geben darauf beste Antworten. In Röm 13 schreibt Paulus:

„Niemandem bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe! Wer den andern liebt, hat das Gesetz erfüllt. 9 Denn die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren! und alle anderen Gebote sind in dem einen Satz zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Röm 13,8f.)

Wir sind dem Nächsten die Liebe schuldig. Nicht aus Ehrgeiz, Angst, Rachsucht, Machtstreben oder was sonst für Abgründe Menschen motivieren, sollen wir handeln, sondern aus Liebe. Dem hl. Augustinus wird der Ausspruch zugesprochen: „Liebe, und dann tu, was du willst“. Er basiert auf dieser Stelle im Römerbrief. Der Satz bedeutet keineswegs, dass unser so motiviertes Handeln uns vor weltlichem Ungemach schützt. Aber wir stehen am Jüngsten Tag buchstäblich gut vor Gott da und können auf Seine Liebe vertrauen.

Mt 18,15-20 gibt eine konkrete Handlungsanweisung zum Verhalten gegenüber Sündern. Es geht nicht darum, jemanden bloßzustellen. Es sollen nicht vorschnell Tischtücher zerschnitten werden. Vielmehr sollen wir dem anderen eine Chance zur Umkehr geben, ohne dass er sein Gesicht verliert. Ein Gespräch unter vier Augen – und damit die eventuell andere Sichtweise des Betroffenen – können vieles im Keim ersticken oder aus dem Weg räumen, was sich sonst zum Schlechten entwickeln würde. Wenn allerdings der Bruder oder die Schwester dich nicht überzeugen kann oder nicht umkehrt, soll man zwei oder drei Zeugen dazuholen. Schließlich soll die ganze Gemeinde informiert, ggf. sogar ein Ausschluss aus der Gemeinde vollzogen werden.

Es geht dabei nicht um Rechthaberei. Es soll kein Exempel statuiert werden. Vielmehr soll schlicht Jesu Leben schaffende Botschaft und Auftrag umgesetzt werden: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“. So tragen wir zum Reich Gottes auf Erden bei.

In diesem Sinne wünsche ich in diesem September als herbstlichem Erntemonat Ihnen eine reiche Ernte im Geiste Jesu, unseres liebenden Bruders und Freundes.

Barbara Heitfeld