Bibelwort des Monats – April 2026

Mt 28,9-10

Würde durch den Auftrag zur Verkündigung
 

„Und siehe, Jesus kam ihnen entgegen und sagte: Seid gegrüßt! Sie gingen auf ihn zu, warfen sich vor ihm nieder und umfassten seine Füße. Da sagte Jesus zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.“ (Mt 28,9-10)

Wir befinden uns im Lesejahr A. In den Sonntagsmessen wird weitgehend das Matthäusevangelium gelesen. Im April 2026 erreichen wir mit der Karwoche, die in das Osterfest und die sich anschließende 50-tägige Osterzeit mündet, den Höhepunkt des Kirchenjahres. In der zitierten Bibelstelle begegnen uns Maria aus Magdala und die andere Maria. Sie sind die Ersten, denen durch einen Engel am Grab die Auferstehung verkündet wird (Mt 28,1-8) und sind nun die Ersten, denen Jesus selbst als Auferstandener erscheint. Der Auftrag des Grabesengels, „Geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden …“ (V. 7), wird von der Begegnung mit dem auferstandenen Jesus noch getoppt. Jetzt gibt er ihnen selbst den Verkündigungsauftrag: „Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen.“ Eine größere Wertschätzung können die Frauen kaum erfahren. Sie kamen als Trauernde zum Grab und wollten einen letzten Liebesdienst an ihrem Meister vollziehen. Sie gehen vom Grab weg als Getröstete, die voll Freude die Frohe Botschaft von der Auferstehung verkündigen. Die Liebe kann nicht darüber schweigen, was ihr in der Liebe begegnet.

Die bei Matthäus geschilderte Begegnung Jesu mit den Frauen erscheint nicht ganz stimmig. Laut Mt 28,8 sollen die Frauen voll Furcht und Freude das Grab verlassen haben. Diese Gefühlslagen passen nicht wirklich zueinander. Einerseits gehen die Frauen auf Jesus zu, was zum Gefühl der Freude passt und nicht für Furcht spricht. Andererseits werfen die Frauen sich vor ihm nieder, was eine Geste der Furcht, Unterwerfung oder Ehrerbietung ist. Das Umfassen der Füße allerdings zeugt weniger von einer Angst vor dem Auferstandenen als eher von der Angst, ihn erneut zu verlieren, dem Wunsch, ihn festhalten zu wollen.

Wie auch immer die Szene vom Evangelisten vorgestellt ist, es bleibt die Beauftragung der Frauen zur Verkündigung – vom erhöhten Jesus, also quasi vom Allerhöchsten. Er erwählt sie zu Zeuginnen, obwohl nach damaligem Recht das Zeugnis von Frauen wenig galt. Vielleicht lädt uns diese Stelle ein, auf Gottes Perspektive und Handeln zu schauen, das oft so ganz anders ist als das von uns Menschen. Das Kleine, wenig Geschätzte hat Gott erwählt (vgl. Paulus in 1 Kor 1,27f.), denn Gott schaut auf das Herz und nicht auf den Status eines Menschen (vgl. David in 1 Sam 16,7). Das machen auch viele Begegnungen und Worte Jesu deutlich: z. B. über die arme Witwe (Mk 12,41-44) oder den Zöllner im Tempel (Lk 18,13f.); auch das Gespräch mit der Frau am Jakobsbrunnen (Joh 4,7-26) gehört dazu.

Da, wo die männlichen Jünger das Weite suchen (Emmausjünger: Lk 24,13), sich hinter verschlossene Türen verkriechen (Joh 20,19.26) oder in ihr altes Leben flüchten wollen (Joh 21,3), eilen die Frauen zur Verkündigung. Das sollte allen, die von der Liebe Jesu ergriffen sind, ein Weckruf sein für unsere Kirche in diesen schwierigen Zeiten. Wo wir ihn suchen, kommt Jesus uns entgegen.

Vielleicht können wir, motiviert durch die kurze Osterperikope bei Matthäus, mehr Wertschätzung gegenüber Menschen zeigen, denen wir nicht so viel zutrauen. Gott selbst hat sich klein gemacht im Kind von Betlehem, um uns ganz nahe zu sein. Wenn wir das beherzigen, werden wir zu Gottes Mitarbeiter*innen und Wegbereiter*innen für manches Wunder in dieser Welt. Das wünsche ich Ihnen für diese Zeit, die auch Ihre Verkündigung der Auferstehung und des Lebens braucht.

Barbara Heitfeld